Manager-Magazin: Börsenschwergewichte - IBM drängt an Microsoft heran
In der Technologiebranche herrscht Aufruhr. Im Olymp der erfolgreichsten Firmen bahnt sich eine folgenschwere Wachablösung an. Es wird die zweite in nur einem Jahr sein. IBM, der Computerpionier, den Microsoft in den 80er und 90er Jahren wie alle anderen abhängte, meldet sich mit Wucht zurück.
New York - Es sind nur Zahlenkolonnen. Aktienkursangaben, die oft hektisch auf den Monitoren über den Köpfen der Händler im Handelssaal der New Yorker Börse aufleuchten. Manchmal aber geht ihre Bedeutung darüber hinaus. Dann sind sie beispielsweise Warnsignale - etwa vor dem tiefen Fall. So ist es auch jetzt: Am Freitag fehlten der US-Technologiegröße IBM nur noch wenige Hundert Millionen Dollar Marktkapitalisierung, um den Microsoft-Konzern von Bill Gates als zweitgrößtes Technologieunternehmen der Welt abzulösen.
Tatsächlich signalisieren die Börsenzahlenkolonnen bereits eindringlich: Big Blue, wie die Börsianer IBM gerne nennen, ist jetzt mit 170 Dollar die teuerste Aktie im Dow Jones Industrial , dem meistbeachteten Aktienindex der Wall Street, dem Börsendistrikt in New York. Allein seit September hat der Kurs an der New York Stock Exchange 37 Prozent zugelegt. Die Microsoft-Aktie dagegen hat in den vergangenen zehn Jahren fast 30 Prozent an Wert verloren.
Im Mai 2010 war Microsoft auf ähnliche zügige Weise schon von Apple überholt und vom Thron des Nummer-eins-Technologieunternehmens gestürzt worden. Seitdem hat der vom kranken Steve Jobs geführte Shootingstar mit dem Apfel-Logo nach Börsenwert seinen Vorsprung auf satte 50 Prozent ausgebaut. Im ersten Quartal 2011 konnte Apple den Erzrivalen auch erstmals beim Gewinn überholen. Jetzt sägt IBM ebenfalls am Stuhl von Microsoft und zeugt damit von den massiven und schnellen Umwälzungen der Branche.
Die Turbulenzen in der Rangliste der führenden Tech-Firmen haben einen triftigen Grund: Nicht nur Börsianer, auch viele Analysten sehen Microsoft nicht mehr als den führenden Innovator in der Technologiewelt. Diese Ehre wird jetzt Apple zuteil. Das Unternehmen, das vor einem Jahrzehnt fast bankrott ging, legte mit der Neuausrichtung auf Kommunikationsprodukte eine fulminante Wende hin. Kultprodukte wie das iPhone und das iPad katapultierten Apple an die Spitze der Zunft. Und jetzt sieht es so aus, als habe sich IBM mit Erfolg daran gemacht, es Apple gleichzutun.